Golden Cracks

There is a crack in everything. Thats how the light gets in.

Leonard Cohen

Risse und Brüche, Falten, Unebenheiten, .. sind in einer Gesellschaft der „Reichen und Schönen“ – in einer Gesellschaft wo die Illusion die uns in der digitalen Welt vorgegaukelt wird eine derart präsente Rolle einnimmt, einfach nur fehlerhaft und nicht anerkannt. Normalität herrscht; das Bild einer ebenmäßigen Gleichförmigkeit scheint das Ziel aller Dinge zu sein. Wir werden dazu erzogen, Normalität an zustreben, ja nicht aufzufallen oder gar das Wort zu erheben, möglichst unsichtbar zu bleiben in einer breiten Masse von Gehorsam und Langeweile.

Aber dieses Bild der Menschlichkeit, dieses Gemälde der Perfektheit, des harmonischen Paradieses hinkt. Es funktioniert nicht, denn es gibt die sogenannten „Fehler“. Es gibt sie, die Menschen die sich wehren, besonders gut zuhören oder eben nirgends dazu gehören. Es gibt sie die Risse in den Systemen und trennenden Mauern. Es gibt sie, die kurzen Aussetzer im Rhythmus oder den herrausstechenden Pinselstrich im sonst so sanften Portrait. 

Es gibt sie, die Falten die sich durch Gesichter und Landschaften graben, die  Falten die von Leiden und Trauer, von ungebändigter Wut oder von hemmungslosem Lachen berichten. Die tiefen Falten der Lust und zarten Fältchen in der sanft lächelnden Augenpartie. Da sind die Risse im vertrockneten Flussbett, in der Rinde einer alten Eiche, an uralten oder vom Krieg gezeichneten Fassaden und im glühenden Asphalt. Es gibt die Brüche zwischen Menschen oder zur Natur, die Abbrüche, Ausbrüche, die Brüche die es oft braucht um Neues entstehen zu sehen.

All das gibt es und alle diese wundersamen Fehler und Makel erzählen Geschichten, Geschichten über die Liebe- die Schönheit, die unser stärkstes verbindendes Element ist. Damit möchte ich mich in meinem Projekt beschäftigen.

 

Kintsugi

Goldenes – „kin“, vereinen/heilen/reparieren – „tsugi“

Wenn Narben zu Goldspuren werden

 Kintsugi ist eine uralte japanische Technik des Reparierens von Keramikschalen, anhand von Goldverbindungen.

Wenn eine Schale, eine Vase oder Teekanne fällt und in viele Teiler zerbricht  wird sie in unserer Kultur meist weg geworfen. Sie ist beschädigt, fehlerhaft und hat keinen Wert mehr. Die Kunst des Kintsugi lehrt, dass gebrochene Objekte keinesfalls wertlos sind, sondern durch ihre Geschichten und Narben umso interessanter und schöner werden. Beim Reparieren wird auch ein neuer Sinn, eine neue Chance vergeben. Jedes reparierte Stück Keramik ist einmalig. Jeder Mensch der aus Rückschlägen und Brüchen lernt, wächst.

Wer den Schmerz ehrt und transformiert und seine Bruchstücke liebevoll zusammenfügt ist einzigartig. Erfahrungen machen jeden von uns besonders, stark und wunderschön.

 

 

Projekt

In diesem Projekt möchte ich die Philosophie des Kintsugi praktisch in der Stadt und an den Menschen, die hier leben anwenden und so gesellschaftlich Position beziehen. Meine Idee ist es Risse und Brüche in Hausfassaden und im Asphalt zu vergolden. Ich möchte historisch bedingte Spuren achtsam sichtbar und für AnwohnerInnen und BesucherInnen zugänglich machen.

Parallel dazu würde ich gerne ein Projekt ausrufen, in dem ich Menschen einlade sich von mir bemalen zu lassen und dies fotografisch und in Textform fest halten. Speziell lade ich Menschen aus unterschiedlichsten sozialen Schichten, mit unterschiedlichen Herkünften und Hintergründen ein, mir ihre Geschichte zu erzählen und ich vergolde ihre Narben, Falten, Cellulitisdellen, etc.

Ich möchte mit dieser Idee ein politisches Statement zu „Idealen“ und „Normalitäten“ abgeben, mich mit dem Blick auf das „Andere“, auf Besonderheiten gegen Diskriminierung und für die Schönheit der Vielfältigkeit  einsetzen. Ich möchte mit Schönheit aufrütteln und heilen.

Anna Schebrak

Kunst und Handwerk