Blatt I

Lindenholz, Kreidegrund, 90 x 150 x 60cm, 2015 

Mit meiner Arbeit richte ich den Fokus darauf was wirklich wichtig ist: Auf diese endliche Erde aufzupassen, von deren Gesundheit unser Leben abhängig ist und sie nicht auszuschöpfen bis zum Verdorren.

Meine Holzskulpturen entstehen in tiefer Verbundenheit mit unserer natürlichen Umgebung, mit dem Wald, den Wiesen, Bergen, Bächen und Feldern. Ich möchte mit ihr die Schönheit und Bedeutung dieser Natur wieder in den Vordergrund unseres Bewusstseins bringen. In dem ich etwas so Kleines und Zerbrechliches wie ein einfaches Blatt vergrößere und neu interpretiere, dass es nicht mehr übersehen werden kann. Ich möchte auf meine Art aufrütteln und erinnern. Außerdem erinnern mich Blätter sehr daran, wie nah wir mit den Pflanzen sind. Wir haben zarte Härchen auf unserer Haut, Adern, durch die unser Lebenssaft fließt, Falten und Risse, die unsere Geschichten erzählen. So auch die Blätter die im Frühjahr sprießen und wenn sie altern, vertrocknen
und zu Humus werden. Ich liebe Blätter sehr und arbeite viel mit ihnen als formgebende Vorlagen für meine Skulpturen.

Das Holz wurde verleimt, mit der Motorsäge bearbeitet, mit Schnitzeisen behauen, geraspelt und geschliffen. Wie die alten Vergolder das machen, wurde die Skulptur kreidegrundiert und nochmals geschliffen. Ein monatelanger Prozess des zärtlichen und kraftvollen Herantastens.
Dieses Blatt soll der Künstlerin und meiner Freundin und Meisterin Elisabeth Defner gewidmet werden; sie ist vor kurzem verstorben.

Anna Schebrak

Kunst und Handwerk